Kaltenkirchen Heilig Geist

1945. In das Gebiet der Diözese Osnabrück, des größten Diasporabistums Deutschland, strömen Hunderttausende heimatvertriebener Katholiken. Zwischen Hamburg und Neumünster gibt es bis dahin keine kath. Pfarrei.

Nun ordnet Bischof Dr. Wilhelm Berning die Seelsorge zweier neuer Pfarreien an: Quickborn und Bad Bramstedt. Von letzterer aus betreut Pfr. Sauermann auch die Katholiken von Kaltenkirchen und Umgebung.

 

So viele persönliche Nöte die hiesigen Katholiken auch haben, eine Sorge nehmen ihnen ihre evangelischen Glaubensbrüder sofort ab: sie stellen ihnen ihre kirchlichen Räume für Gottesdienste zur Verfügung, zunächst die Michaeliskirche und ab 1952 die neu erbaute Kreuzkapelle. An den Hochfesten des Kirchjahres bringen Busse die Kaltenkirchener Katholiken nach Bad Bramstedt und als 1955/56 dort eine neue Kirche gebaut wird, tragen auch die Gläubigen aus Kaltenkirchen zur Finanzierung der Eigenleistung bei. Trotzdem verlieren Sie nie das Ziel einer eigenen Kirche aus dem Auge, zumal der Erzbischof bei der Einweihung der Kirche Jesus Guter Hirt in Bad Bramstedt auf die Notwendigkeit eines Kirchbaus in Kaltenkirchen hingewiesen hatte.


1956. In diesem Jahr bestimmt der gemeinsame Planungsrat für Hamburg und Schleswig-Holstein Kaltenkirchen als Trabantenstandt und Achsenpunkt mit wirtschaftlicher Selbstständigkeit. Von nun an ist die Geschichte des kath. Gemeindezentrums auf Engste mit der Entwicklung der politischen Gemeinde und ihres Umlandes verbunden. In dem Maße, wie Kaltenkrichen wächst und seine Funktionen als Zentralort erweitert, wachsen auch die Anstregungen der Katholiken im Hinblick auf ein eigenes Gotteshaus. Jeden Sonntag wird nach dem Gottesdienst gesammelt und der Betrag auf ein eigenes Sparkonto eingezahlt.


1957/1958. Dann beginnt die Suche nach einem geeigneten Bauplatz. Zwei Jahre lang bemüht sich ein Mitglied des Kirchenvorstandes, ein möglichst zentral gelegenes Kirchengrundstück zu finden.


1959. Es ist dann soweit: Von dem Kaufmann Kurt Offt wird ein Grundstück vor dem Umspannwerk erworben. Die gute Zusammenarbeit der Kaltenkirchener Katholiken mit der Muttergemeinde Bad Bramstedt spiegelt sich deutlich wider in den Sitzungsprotokollen des Kirchenvorstandes: seit 1957 taucht jedes Mal der Kirchenbau in Kaltenkirchen als Tagesordnungspunkt auf.


1960. Die damalige politische Gemeinde Kaltenkirchen gibt ein städtebauliches Gutachten in Auftrag, das 1962 vorliegt und ab jetzt die Grundlage intensiver Verhandlungen zwischen dem Kirchenvorstand und dem bischöflichen Generalvikariat bildet. Hierbei spielen die Planungen eines künftigen Flughafens wie auch der Bau von Kasernen für die Bundeswehr eine bedeutende Rolle. Von diesem Zeitpunkt an wird in den Vorgesprächen immer deutlicher, dass das im Besitz der Kirchengemeinde befindliche Grundstück zu klein ist und hinsichtlich der weiteren, nach Südwesten zielenden städtebaulichen Entwicklung Kaltenkirchens auch zu ungünstig liegt.


1966. Der Bischof Dr. Helmut Hermann Wittler unternimmt eine Firmreise durch Schleswig-Holstein, die ihn auch nach Bad Bramstedt führt. Hierbei informiert ihn der Kirchenvorstand eingehend über die Entwicklung in Kaltenkirchen.


1967. Die endgültige Entscheidung darüber, dass Kaltenkirchen nicht mehr Garnisonsstadt wird, fällt. Im Zusammenhang mit der von diesem Jahr einsetzenden regen Bautätigkeit im Gebiet Flottkamp taucht zum ersten Mal der Gedanke auf, die Kirche in diesem Gebiet zu bauen. Von nun an wird dieses Ziel nicht mehr aus dem Auge verloren: noch im gleichen Jahr erscheint in der "Segeberger Zeitung" ein Artikel mit der Überschrift "Katholiken möchten eigenes Gotteshaus", und in Kaltenkirchen findet in Gegenwart des Bürgervorstehers und des Leiters der bischöflichen Bauabteilung Neumünster eine erste vorbereitende Besprechung statt.

Leider wird der Optimismus der Kaltenkirchener Katholiken noch eine Zeit lang gedämpft. Obwohl der Bauboom sogar einen neuen Ortsteil entstehen läßt, stellt sich doch sehr bald heraus, dass im Gebiet der Diözese Osnabrück dringendere kirchliche Bauvorhaben durchgeführt werden müssen.

Aber die Kaltenkirchener Vertreter im Kirchenvorstand und später im Pfarrgemeinderat lassen sich nicht entmutigen: Im Frühjahr 1968 haben zwei von ihnen in Hamburg eine Unterredung mit Weihbischof Johannes von Rudloff, der ihnen Hilfe verspricht und im Jahre 1969 wenden sie sich direkt an den Bischof von Osnabrück mit dem Schreiben, das eine genaue Darstellung aller Faktoren enthält, die für einen sofortigen Baubeginn sprechen.. Zwar sieht sich der Bischof zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage, die Baugenehmigung zu erteilen, sichert aber zu, den Kirchenvorstand  und damit die Kirchengemeinde besser als bisher über alle, den Kirchenbau betreffenden Einzelheiten, zu informieren.

Da sich die Verhandlungen über den Erwerb eines Grundstückes an der Straße Flottkamp fast zwei Jahre hinziehen, ohne das ein Ende abzusehen ist, fordert der Kirchenvorstand schließlich im Dezember 1971 den Bischof auf, die Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer, der MBK Kiel, abzubrechen und den Kirchbau auf dem alten Grundstück am Umspannwerk zu genehmigen.


1972. Bereits im Februar diesen Jahres erklärt sich das Bischöfliche Generalvikariat grundsätzlich hierzu bereit. Da aber tritt ein Ereignis ein, das diese Entwicklung stoppt - Gott sei Dank, müssen wir heute sagen. Die polititsche Gemeinde braucht nämlich einen Teil des alten Kirchengrundstückes zum Bau einer Zufahrtsstraße für den zweiten Kindergarten. Im Juli desselben Jahres findet zwischen Bürgermeister Fehrs und dem Generalvikariat eine Unterredung statt, bei der die Grundstücksfrage endgültig geklärt wird: Das Gemeindezentrum wird an der Flottkampstraße gebaut! Die Grundstücksverhandlungen werden abgeschlossen und im Frühjahr 1973 bekommt Architekt Werner Feldsien, Kaltenkirchen, den Auftrag, einen Entwurf für ein katholisches Gemeindezentrum anzufertigen. Am 2. Oktober 1973 werden dann in einer Besprechung in Osnabrück die letzten Einzelheiten, der nun bereits baureifen Pläne besprochen - Kaltenkirchen hat inzwischen die Stadtrechte erhalten - und im Mai 1974 beginnen die Ausschachtungsarbeiten.

Der guten Zusammenarbeit zwischen Architekt Feldsien und Baurat Hüttenmüller, dessen ständige Bemühungen an dieser Stelle hervorgehoben werden müssen, sowie dem Einsatz der beteiligen Firmen - insbesondere des Bauunternehmers Peter Fiehland - ist es zuzuschreiben, dass bereits am 13. September 1974 durch Prälat Wüstefeld vom Bonifatiuswerk in Paderborn der Grundstein gelegt werden kann. Am 6. Dezember wird dann das Richtfest gefeiert und im Gasthof "Zum Landhaus" ein zünftiger Richtschmaus eingenommen.


1975. Bei günstiger Witterung werden die Außen- und Innenarbeiten im Laufe dieses Jahres zügig vorangetrieben und im Herbst mit der Gestaltung der Außenanlagen das gesamte bauvorhaben abgeschlossen. Erwähnt muss noch die Leistung von Herrn Prof. Griesenbrock aus Vaals/Holland werden, dem wir die künstlerische Innengestaltung zu verdanken haben.

Am 25. Oktober 1975 wird nun unsere Kirche geweiht durch Weihbischof Dr. Hubertus Brandenburg, Bischofsvikar in Hamburg und Schleswig-Holstein.


Unsere Kirche soll dem Heiligen Geist geweiht werden. Die Geschichte des Kirchbaus in Kaltenkirchen mit ihren Hoffnungen und Enttäuschungen, mit ihrem Hin und Her in Standortbestimmung und Planung, lässt dem gläubigen Betrachter der Ereignisse nur den Schluss zu, dass der Patron unserer Kirche lenkend eingegriffen hat in die Entscheidungen der Menschen, die dieses schöne Kirchzentrum an dieser günstig gelegenen Stelle genehmigt, geplant und gestaltet haben.

Es muss einem späteren Chronisten vorbehalten bleiben, Einzelheiten und Zusammenhänge des Kirchbaus in Kaltenkirchen, die hier nur angedeutet werden konnten, ausführlich darzustellen und die beteiligten Personen gebührend zu würdigen. Es sei mir aber an dieser Stelle gestattet, stellvertretend für alle, die sich um die Ausgestaltung des Gottesdienstes in Kaltenkirchen verdient gemacht haben, den beiden Geistlichen Pfarrer Sauermann und Pastor Suland, ein herzliches "Vergelt's Gott" zu sagen.

von Heinz Karden, Kaltenkirchen, den 10.10.1975 


An Heiligabend, 24.12.2013 läuteten das erste Mal elektronische Glocken in der Kirche.


 

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